TRANSFLEISCH

MusikTheater von Sergej Maingardt & Rosi Ulrich

18. November 2019, 19 h, St. Peter, Köln, im Rahmen des Konzertes von electronic ID
Informationen unter info [at] wehr51.com

Eine Produktion, die an den Grenzen der akustischen und visuellen Wahrnehmung experimentiert. Wie ist das mit dem Bewusstsein und der Erfahrung von „Realität“?

Um festzustellen, ob ich in einer Simulation lebe, musste ich mich selbst simulieren. Ich entschied mich, einen Klon von mir auf die Reise zu schicken. Wir beide, der Klon und ich, beschlossen eine kleine Strecke gemeinsam zu gehen und alles zu notieren, was wir sehen, dann trennten wir uns und notierten wieder alles, was wir erlebten.

Dann legten wir unsere Notizen übereinander. Unsere Protokolle waren ohne Abweichungen, identisch. Was glaubten wir zu finden? Was könnte beweisen, dass wir in einer Simulation lebten? ... Wenn einer von uns das System verlassen würde, dann könnten wir einen Beweis finden!

Also: Einer von uns musste sterben. Aber wie sollten wir den Kontakt halten?

mit: Kai Hufnagel (D) / N.N. (UA)
Text & Dramaturgie: Rosi Ulrich
Komposition & Video: Sergej Maingardt

UA: 13.11.2013, 20 h / 25./26./28./30.11.2016, Alte Feuerwache, Köln
WA: 19.10.2019, in Ukrainischer Sprache, Festival Kontraste, Liv, Ukraine
weitere Termine in Deutschland für 2020 geplant
Informationen - info [at] wehr51.com

Trailer

Presse

"... eine Aufführung von soghafter Wirkung und wirklicher Bewusstseinserweiterung, von nahezu drogenhafter oder beinahe spirituell seelenaufreißender Wirkung. Es geht auf eine wirklich gut getimte Reise an die Grenzen der Wahrnehmung, der man sich ganz öffnen sollte, soweit bis die inneren und äußeren Schmerzgrenzen erreicht sind, dann erfährt man sich als Veränderter und Veränderbarer, dem, so viel sei garantiert, wenn man es aushält, was wirklich ohren-, körper- und augenbetörend bis -betäubend wirkt, dann eine ganz große Erfahrung zuteil und anteilig wird, aber auch wenn es nicht gefällt, dann ist man seitens der Macher mit bewundernswert sympathischer Offenheit bereit, sich der Diskussion zu stellen. Unbedingt ansehen, zumal es dem Text und dem Ganzen gelingt, im Nachhinein über ein Nachklingen der Wirkung und von einzelnen Performanceelementen auch die Fragen und auch die ganz großen Fragen anzustossen: Leben und Tod, Gehirn und Bewusstsein, was ist wirklich, was ist Wahrheit, inwiefern bestimmt der Charakter des Streams in den Synapsen als Simulation die Welt, die Wahrheit oder unser Bewusstsein von der Realität ... Ende der Wirkung und Ende des Bewusstseins offen ... ganz starker Beifall ... aber auch skeptische Randbemerkungen ... Ich war begeistert, zumal es sich hier um eine dem Filmkunstwerk "Koyanisquatsi" ebenbürtige legale Droge handelt, die man für unter 20 Euro erwerben kann. Und außerdem muss Kunst manchmal eine Zumutung sein. Wir haben soviel offiziöse weichgespülte Kunst, und wer, wenn nicht der OFF-Bereich, kann so etwas leisten und auch ein solches Wagnis eingehen." (namkoartist, 17.Nov.13)


"... In dieses bizarre Gewitter aus akustischen und visuellen Signalen spricht Schauspieler Daniel Berger Texte über die Entwicklung von Gedanken, die alle vorstellbaren Grenzen sprengen. Fremd wie die Sterne bleibt die glibberige Masse, die im Bild gezeigt wird und mit der Entstehung eines Aliens vergleichbar ist. Sehr intensiv wirkt dieser Cocktail medial gesteigerter Sinneseindrücke, der den gestaltlosen Zuständen des Realen folgt. Für das Nachdenken über die Konstruktion des Denkens bleibt hier freilich kein Raum mehr. Die Performance wirkt eher wie ein Schlag vor die Stirn ihrer Betrachter, als dass sie diese in die Labyrinthe der Neurologie locken würde" (Thomas Linden, Kölnische Rundschau 15.Nov.13)

Textauszug

5

Er lag im Bett, Krankenhausbett
Ich sah in sein Gesicht,
das einmal meins gewesen war
ich erkannte es nicht.
Ich konnte nicht erinnern,
dass dies mein Gesicht ist
mein Gesicht war,
oder, einmal sein wird?
Ich beugte mich über ihn
suchte in der fahlen Oberfläche nach bekannten Spuren
Tränen liefen über mein Gesicht
Ich konnte keine Bekanntheit finden.
Erschüttert schrak ich hoch
als ein tiefer Atemseufzer der offenen Höhle dieses Mundes entwich. Ich konnte dich nicht schützen!
Jetzt bist du ein anderer geworden,
den ich nicht mehr kenne.
warum bist du so anders als ich,
so anders geworden oder?
vielleicht schon immer gewesen.
Du musst jetzt sterben!

 

Im Spielplan des WEHR51, produziert 2013 durch das theater-51grad, in Kooperation mit Freihandelszone - ensemblenetzwerk köln
gefördert durch: Ministerium für Kultur und Wissenschaften des Landes NRW, Kulturamt der Stadt Köln und das Goethe Institut

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