Fractura

Tanztheater über Verletzungen und Altern mit Bibiana Jiménez

NEUE TERMINE NACH DER SCHLIEßUNG!
03. PR, 04. JULI 2020, 20 h,
09. - 11. JULI 2020, 20 h,
25. - 28. NOVEMBER 2020, 20 h,
Orangerie Theater im Volksgarten, Köln
Volksgartenstr. 25, 50677 Köln Reservierung unter info [at] orangerie-theater.de

Kurz vor der Premiere im März stoppte das Virus die neue Produktion, ein Bruch in der Biografie des Theaters und der Künstler. Dabei geht es in FRACTURA gerade um die Brüche, Verletzungen und Narben, die sich in einer Künstlerbiografie finden!

Mit 40 Jahren überdenken die meisten Frauen ihr Leben, beenden die meisten Tänzerinnen zwangsläufig ihre Karriere. Sie haben einiges an Verletzungen, Schmerzen und Brüchen erlebt, die äußerlich und innerlich Narben hinterlassen haben. Teils durch Gewalt, selbst zugefügt oder von anderen ausgeübt.

FRACTURA ist ein Brückenschlag von Kolumbien/Südamerika nach Deutschland/Europa. Eine Reise durch die seelischen und körperlichen Verletzungen einer emigrierten Tänzerin, die, dem Schmerz zum Trotz, nicht vom Tanz lassen kann! Biographische Brüche, Verletzungen, Narben, der Kampf um die Identität und die Rolle als Frau, Perfektion des Tanzes und immer wieder Aufbäumen. Seelisch wie körperlich...

Wir kennen das alle: erst durchzuckt der Schmerz den Körper, und nach dem Schock, die Angst, dass etwas bleiben wird von dieser Verletzung, etwas was sich nicht mehr wiedergutmachen lässt, was der Körper nicht verzeiht und womit man ab sofort klar kommen muss. Man konsultiert den Arzt, um Gewissheit zu bekommen und Heilung zu beschwören.

Und dann prallen da zwei Welten aufeinander: Die eine sachlich präzise mit klaren Angaben, kühlen Messungen und scharfen Bilder. Die andere bedacht auf die Unversehrtheit der Oberfläche, die Uneingeschränktheit der Beweglichkeit und des Lebens. In FRACTURA  werden diese beiden Perspektiven gegenübergestellt: Die Lebensgeschichte von Bibiana Jiménez, eng verwoben mit ihrer Tanzkarriere und Migrationsgeschichte, wird in Röntgenbildern, Live-Zeichnungen der Norwegischen Künstlerin Katarina Caspersen und ehemals getanzten Partien gezeigt. Immer wieder erfolgt der Abgleich mit heute: Verpasste Chancen, große Glücksmomente und Soli, die durch die jahrelange Erfahrung des Körpers an Intensität gewinnen und zu berührenden Momenten führen.

Ein Kampf zwischen den sachlich-faktischen Aufzählungen und dem Wunsch, der Vergänglichkeit mit seinem Verfall und Ge-Zer-brechen zu trotzen, beginnt - als Zuschauer sehen wir beide Seiten. Ein emotionales Ungleichgewicht, in dem der tanzende Körper nur verlieren kann während der Mensch ein beeindruckendes Plädoyer gegen die Selbstaufgabe entwirft.

Regie/Konzept: Andrea Bleikamp
Tanz/Choreografie: Bibiana Jiménez
Dramaturgie/Text: Rosi Ulrich
Co-Choreografie: Sara Blasco Gutiérrez
Ausstattung: Claus Stump / Paula Noller
Live-Zeichnung: Katarina Caspersen
Video: Jens Standke
Musik: Klangwart
Musikarrangement: Sara Blasco Gutiérrez
Stimmen: Lucia Schulz, Asta Nechajute, Silvia Petrova, Sara Blasco Gutiérrez, Katarina Caspersen
Licht: Jan Wiesbrock / Peter Behle
Technik: Jens Kuklik
Regieassistenz: Gina Bensch
Fotos: Claus Stump
PR+ÖA: neurohr & andrä GbR

PR: 19.3. 2020, 20 H, 20. + 21.3. 2020, 20 H, 22.3.2020, 18 H: Orangerie Theater, Köln / 13. - 16. Mai 2020, 20 H: Orangerie Theater, Köln / Premiere und März und Mai-Termine wurden aufgrund der Corona-Krise abgesagt!

Trailer

Trailer

Presse

Gebrechlichkeit des Lebens: eine Kritik aus den Proben
"Fractura als Tanz-Solo zu bezeichnen, greift ein wenig zu kurz. Eher ist das 50-minutige Stück ein Gesamtkunstwerk. ... Dargestellt wird vordergründig eine Künstler-, genauer eine Tänzerinnen-Biografie in Wort, Musik, Tanz, Zeichnung und Projektion. Das klingt komplex und ist es auch. ... Der innovative Umgang mit Licht fasziniert, aber zunehmend nimmt das Zusammenspiel des künstlerisch perseverierenden Textes, der musikalischen Eindrücke und die Einsamkeit der Tänzerin auf der Bühne das Gemüt ein. ... Nachdenklich bleibt man vor dem Monitor sitzen, ganz froh eigentlich, dass man sich jetzt nicht dem Applaus aussetzen muss. Wehr51 ist da ein großes Werk gelungen, das den Zuschauer ganz tief drinnen berührt. Und klar ist auch, dass man das auf jeden Fall noch einmal im Theater erleben muss. Möglichst bald, aber das ist wohl mehr ein frommer Wunsch." (Michael S. Zerban, O-Ton, 21. März 2020)

"Andrea Bleikamp und Rosi Ulrich erzählen das Leben von Power-Tänzerin Bibiana Jiménez anhand von Knochenbrüchen, gescheiterten Beziehungen, Schwangerschaftsabbrüchen, psychischen Kollapsen, Schnittwunden ... Ein düsterer Trip in eine verwundete Seele, bild- und soundgewaltig inszeniert. Hektische Videobilder flimmern über das Bühnenbild, die eher ins Unterbewusstsein sickern, als dass der Verstand sie einordnen könnte. Aus einer Art Strandhäuschen kommt Jiménez im Krebsgang auf die Bühne: Auf Armen und Beinen wie für eine Yogabrücke, der Blick auf die Welt verkehrt herum. Später trippelt sie auf Spitzenschuhen fürs Pas de deux mit Krücken-Partnern. Die Metallstangen wachsen wie sperrige Verlängerungen aus ihren Gliedern, scheinen ihren Körper hinter sich herzuziehen, rauben ihm die Souveränität. Noch brutaler aber sind die Texte, die die Verwundungen in Jiménez' Leben aufzählen. Eine Schmerz-Bilanz, vorgetragen mit seelenloser Roboterstimme oder als vielsprachiger Choral." (Nicole Strecker im Kölner StadtAnzeiger 6.7.20)

"Eine multimediale Biografie mit Live-Zeichnungen (Katarina Caspersen), Videos (Jens Standke), Musik von Klangwart und sechs Frauen-Stimmen, in deren Zentrum die strahlende Bibiana Jiménez steht: Strahlend im Leiden, eine Heldin, die auf Spitze und mit Krücken tanzt, mit Mullbinden Blessuren verdeckend: „Der Körper wehrt sich. Die Seele wehrt sich.“ Bilder aus den Straßen Bogotás (wo Jiménez herstammt), der erste Schnee in Deutschland, ein Bombardement aus Ballettschuhen. Die klinische Aufzählung von Verletzungen, das Vortanzen, die kalten starren Blicke der Deutschen, die Hütte als Ort des Rückzugs und des Umziehens. Und immer wieder humoristische Momente, Persiflagen auf angestrebte Perfektion. Tanztheater, wie es packender kaum sein kann." (Susanne Schramm in: Kölnische Rundschau 9.7.2020)

"Rückhaltlos wirft sie (Bibiana Jiménez) sich in eine ungewöhnliche Bewegungssprache bis hin zu Spitzentanz-Einlagen, setzt sich überzeugend mit Gehhilfen auseinander und verkörpert glaubhaft die Geschichte von den Lebensbrüchen, die von den fünf Sprecherinnen erzählt wird. Das ist schlicht grandios. Da möchte man sich mit den 55 Minuten, die das Stück dauert, eigentlich nicht zufriedengeben." (Michael S. Zerban, O-Ton, 4. Juli 2020)

Eine Produktion des WEHR51, in Koproduktion mit Orangerie Theater, Köln und Freihandelszone - ensemblenetzwerk köln
gefördert durch: Kulturamt der Stadt Köln, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

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