The Influencer

Cyber-Thriller um Macht und Einfluss

nominiert für den Kurt Hackenberg-Preis 2018

Mai/Juni 2019, atelier mobile, Köln, Reservierung unter info [at] wehr51.com
9. November 2019, KuB, Bad Oldeslohe / Zeiss Planetarium Bochum, Anfragen unter info [at] wehr51.com

„Und was machen Sie so beruflich? Ach, ich blogge, ich bin Influencerin“.
Bloggen, 6 Stunden am Tag, mindestens. Die 100.000 war schon eine magische Zahl, jetzt hat NatNike über 250.000 Follower. Sie ist ein Star, authentisch, kommunikativ und hat Einfluss auf ihre Community: was sie trägt, wollen auch ihre Abonnenten kaufen, was sie macht, interessiert jene auch. Und das lohnt sich: Das Influencer-Marketing boomt wie kaum ein anderes. Nichts ist unmöglich, Menschen werden bezahlt, damit sie ihr Leben via Social Media für die Öffentlichkeit dokumentieren. Eine schöne neue Welt, wenn da nicht jenes Treffen von den Big Five wäre, den fünf größten Konzernen, die um die Weltherrschaft kämpfen. Der Tagungsort absolut geheim. Kein Beobachter zugelassen. Doch wir haben es geschafft! Under-cover berichten wir live aus dem Zentrum der Macht und dem Kampf der Giganten.

THE INFLUENCER ist ein Cyber-Thriller um Macht und Einfluss, ein Kampf der Giganten, vergleichbar mit den Kräften mythologischer Geschichten. Verwoben mit der täglichen Arbeit einer Bloggerin fragt das Stück nach dem Einfluss der großen, globalen Mächte, den Welt-Konzernen, die verborgen im Hintergrund agieren. Kann NatNike mit ihrer Authentizität den Hate-Speeches entgehen oder wird es den Bashern gelingen, in ihr reales Leben einzudringen?

mit: Asta Nechajute
Stimmen: Oliver Schnelker, Kai Hufnagel, Miriam Pauli, Max Landgrebe, Elmira Bahrami, Patrick Khatami, Mareile Metzer, Ilka Teichmüller, David Fischer
Regie: Andrea Bleikamp
Konzept, Text & Dramaturgie: Rosi Ulrich
Ausstattung: Claus Stump | Musik/Sound: Sibin Vassilev | Video: Jens Standke | Technik: Jens Kuklik | PR & Öffentlichkeitsarbeit: neurohr & andrä

PR: 15.11.2017, 20 H / 16.-18.11. / 29.11.-2.12.2017: Orangerie Theater im Volksgarten, Köln

Hörbeispiel I
Hörbeispiel II

Presse

Ulrich siedelt das Stück auf mehreren Ebenen an. Da gibt es die mythologische Geschichte um das Goldene Vlies, den Kampf einzelner Großkonzerne um die Weltmacht und eben das Einzelschicksal eines Madels, das doch nur ein paar „gesunde“ und „umweltvertragliche“ Produkte empfiehlt – bis es sich darauf einlasst, Aktienkäufe anzubiedern. Ulrich schreckt dabei vor den großen Themen nicht zurück. Die Konzentration der wirtschaftlichen Macht auf immer weniger Konzerne, der schwindende Einfluss der Nationalstaaten, die Privatisierung der Militärtechnik spielen hier genauso hinein wie das Treffen des Weltwirtschaftsforums in Davos, einer Versammlung von Mächtigen, die sich selbstherrlich und ohne Legitimation um die Geschicke der Welt kümmern.

Regisseurin Andrea Bleikamp möchte daraus einen „Cyber-Thriller“ mit einer Person und vielen Stimmen machen. Die Ausstattung des Saals in der Orangerie am Kölner Volksgarten übernimmt Claus Stump. Am Kopfende ist die Tribüne fur die Zuschauer aufgebaut, die bei der Uraufführung nahezu vollbesetzt ist. Davor mittig im Vordergrund ein Tisch mit Computer und ein paar Utensilien, die NatNike empfehlen wird. Links und rechts hinter ihr in der Länge nach hinten zwei aufgehängte Stangen, die mit bunten Kabeln umwickelt sind. Im Hintergrund die Projektionsfläche, auf die Jens Standke das Bild des Monitors wirft, auf dem auch im Verlauf des Abends Anstieg und erbarmungsloser Abfall der Sympathie-Bekundungen angezeigt werden. Er sorgt auch fur die Videoprojektion eines imaginaren Sternenhimmels, in den auch schon mal Sternenbilder gezeichnet werden. Für die Musik und den elementaren Klang ist Sibin Vassilev zuständig. Elementar insofern, als Bleikamp nur die Bloggerin auf der Bühne auftreten und die übrigen Stimmen aus dem Off einspielen lässt. Das klappt vorzüglich. Nicht weniger als neun Stimmen übernehmen die Ebenen der Konzerne, die auf der „Weltbühne“ belauscht werden oder die Geschichte Jasons und Medea erzählen. Genau das ist ziemlich anstrengend, weil man permanent auf Leute hören muss, die man nicht sieht und nicht weiter zuordnen kann, aber genial im Genre-Übergriff. Die Abgehobenheit und Anonymitat macht wütend, während auf der Bühne das persönliche Schicksal immer konkreter und erbärmlicher wird.

Wer glaubt, dass irgendwann ein paar Konzerne die Macht über uns haben, denkt nicht weit genug. Denn natürlich steht am Ende nur eine Macht. Und das ist die der privaten Militärs, die die Welt letztlich ins Verderben stoßen. Deshalb ist auch egal, dass NatNike, die begeisterungswürdig in natürlicher Spielfreude und späterer Verzweiflung von Asta Nechajute dargestellt wird, irgendwann aufhört, ihre Gemeinde zum Bleiben aufzufordern – und unscheinbar von der Spielfläche verschwindet. Die Stimmen aus dem Off sind wunderbar ausgewählt und sehr differenziert vorgetragen.

Nach so vielen Wahrheiten, mythologischen Einstreuungen und so wenig Zukunftsaussicht ist das Publikum nach 80 Minuten erschöpft, aber begeistert. Redlich gibt es sich Mühe, so lange wie moglich zu applaudieren. Es gibt Folgevorstellungen und hoffentlich viele Einladungen an andere Bühnen. Denn dieses Stuck ist das eindrucksvollste, was in diesem Jahr zu erleben gewesen sein dürfte.
(Michael S. Zerban in on-ton.online 15.11.2018)

In einer virtuosen Abwärtsspirale trudelt die Handlung geradewegs in ein Katastrophenszenario, bei dem Analogien zur heutigen Weltlage pointiert und stimmig dem Zuschauer nahe gebracht werden. Zweifelhafte Konzern-Deals und Praktiken um die Kontrolle der weltweiten Lebensmittelproduktionen, künstliche Intelligenz im Einsatz gegen Mensch und Natur, riskante Finanz- und Börsenspekulationen und die Auslagerung von Militär- und Sicherheitsapparaten in private Hände, das alles kommt einem sehr vertraut vor. In ihrem Cyber-Thriller gelingt den Machern das Kunststück, diese komplexen Sachverhalte in griffige Handlungselemente zu packen, bei dem sich die hörspielartige Ausgangslage nicht zuletzt durch Asta Nechajutes prägnantes Spiel in eine eindringliche Theatererfahrung verwandelt.
(Norbert Raffelsiefen in Kölner StadtAnzeiger 29.11.2018)

Die Verlagerung des Kriegs der Konzerne ins Akustische verdeutlicht zudem deren Un(an)greifbarkeit. Die Parallelisierung mit dem Diebstahl Jasons schließlich verleiht dem Kampf obendrein eine mythologische zeitlose Komponente. Eine finale Erkenntnis, die dann doch stutzig macht.
(Hans-Christoph Zimmermann in Choices 12.2018)

Textauszug

Unendliche Weiten, dunkle Tiefen und dazwischen glitzernde Punkte, das ist der Himmel bei Nacht. Weit entfernt, unerreichbar schimmern die Sterne, ziehen ihre Bahnen. Eine eigene mit Mythen und Göttern verbundene Welt ist dieses Universum über uns.

Und doch: In diesen übermenschlichen Weiten findet sich alles Menschliche. Geschichten von Hass, Eifersucht und Gier. Denn auch den Göttern sind Leidenschaft, Neid, Machtgier, Hingabe und andere sehr menschliche Regungen nicht fremd.

Im Spielplan des WEHR51, produziert 2017 durch das theater-51grad.com, in Kooperation mit Freihandelszone - ensemblenetzwerk köln

gefördert durch: Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Kulturamt der Stadt Köln